Das Schindelwrack

Ein "Schiffchen" im Starnberger See liegt mir besonders am Herzen.
Mein erster Tauchgang dort war im November 2003 und ich habe es gleich adoptiert.
"Adopt a Wreck", das war es wohl, obwohl ich das damals noch nicht kannte.


Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der BGfU habe ich mich 2015 in das Thema "3D Modellierung" eingearbeitet. Nach ersten Tests mit Gegenständen über Wasser kam die Idee auf das Schindelwrack mit den Mitteln, die die 3D Modellierung bietet, näher zu untersuchen und ein Modell zu erstellen, um es sich "konserviert" in die Vitrine zu stellen.

 

Was ist eigentlich das Schindelwrack?

 

Das Schindelwrack wurde erstmalig in den 70er Jahren, wahrscheinlich 1974, von einem Münchner Taucher gefunden und die hölzerne Bugzier, die sogenannte "Bugschnecke" geborgen.

Die Bugschnecke ist auf vielen Bootsbildern vom Starnberger See zu sehen, allerdings hat man an existierenden schwimmenden wie gesunkenen Booten, meines Wissens, bislang nur die vom Schindelwrack gefunden. Sie liegt heute im Starnberger Museum.

Über 20 Jahre später stieß die BGfU im Internet auf ein kurz zuvor aufgenommenes Foto des Verfassers und im Frühjahr 2003 gelang es, die Taucher, die das Wrack in den 70er Jahren gefunden haben, ausfindig zu machen. Die Fundortbeschreibung und ein Vergleich von alten Fotos brachten den Beweis, dass die Bugschnecke zu dem wiederentdeckten Schindelwrack gehört.

Die Schindeln wurden vermutlich mit dem Zug in Tutzing angeliefert oder entstammen der Tutzinger Ziegelei, sollten nach Berg verschifft werden und waren wahrscheinlich für das Dach von Schloss Berg gedacht.

Nach Angaben des Fischers Andrä ist das Boot vermutlich zwischen 1911 und 1914 gesunken. Dies muss sehr schnell von statten gegangen sein, denn das Boot liegt aufrecht am Grund und die Ladung befindet sich noch an Ort und Stelle.

Das Boot liegt auf Kiel auf dem Grund in einer Ausrichtung von 157 Grad, misst 5,65 m in der Länge und 1,45 m in der größten Breite. Der Bootseigner war vermutlich Josef Böck mit dem Hausnamen der "Fischermichl".

Die Bootswandung besteht aus zwei Planken, eine Schmale, darunter eine Breitere. Der Boden besteht, zumindest im sichtbaren vorderen Bereich, aus zwei Planken. Alle Planken sind mit den Spanten verschraubt.

 

 

 

Zum Ausprobieren -  das erste 3D Modell

Einfach mal mit rechter und linker Maustaste, sowie dem Mausrad spielen.

 

Ich werde das Schindelwrack weiter beobachten, dokumentieren und die Ergebnisse hier vorstellen.



Noch eine Anmerkung

Als ich anfing den Bereich der Schindeln zu modellieren, musste ich aufgrund von schlechter Sicht wegen aufgewirbeltem Sediment im Bereich des Wracks, mehrfach nachfotografieren.
Diese Aufnahmen konnte ich mit Hilfe von vor vier Wochen erstellten nicht in Deckung bringen. Bei näherem Betrachten fiel auf, dass sich Schindeln nicht mehr am gleichen Ort befanden wie noch vier Wochen zuvor, oder aber ganz verschwunden sind.
Auch beim Sichten meines eigenen Bildarchivs zum Schindelwrack musste ich leider feststellen, dass das Wrack immer mehr verfällt und auch das Teile der Ladung anscheinend irgendwohin verschwinden.

Auch "Verschönerungen", die manche nicht sehr intelligente Taucher meinen, hier anbringen zu müssen, tun ihr übriges, um die Struktur des Bootskörpers zu schwächen.

 

Der goldfarben angemalte Stein, den jemand mitgebracht haben musste, befand sich 2006 eingekeilt zwischen der Back und Steuerbordwand am Bug. Er wurde 2007 durch einen Schwimmring ersetzt. Jetzt ist die Backbordwand aufgerissen und ein Seil klemmt zwischen den Planken der Bordwand.

 

 

Die Seitenleiste, die bis 2011 noch an der Steuerbordseite befestigt war, liegt heute neben dem Bootskörper (siehe 3D Modell).

 

Dieses kleine Wrack liegt seit über hundert Jahren am Grund des Starnberger Sees. Wenn ich mir den Verfall und die Zerstörung so ansehe, befürchte ich, dass in zehn Jahren nicht mehr viel davon übrig ist.

Bitte denkt daran, das Schindelwrack ist ein Denkmal! Sorgt doch dafür, dass auch in ein paar Jahren noch etwas mehr als ein paar Bretter und vereinzelte Schindeln davon übrig sind und das Boot so gut wie möglich erhalten bleibt.

 

 

Hier noch eine Auswahl an Bildern, die das Wrack vor ein paar Jahren zeigen:

 

2006

 

2007

 

2008

 

2010

 

2011